Nichts mehr mit Money

on

Von Jonas Nagel – 10a

Money, money, money
Must be funny
In Corona’s world

Würde die berühmte schwedische Musikgruppe ABBA heute noch existieren und hätte diese ihren Hit „Money, Money, Money“ erst im Jahr 2020 veröffentlicht, wäre vielleicht diese kleine Textänderung im Refrain durchaus möglich gewesen. Nur leider ist die Realität nicht so lustig wie dieses kleine Gedankenspiel.

Seit Monaten bestimmt ein Virus unser Leben und sperrt uns mehr oder weniger ein. Wir können nicht mehr einfach das tun, was vor dieser Krise selbstverständlich war. Mit Oma und Opa Geburtstag im Restaurant feiern? Vergiss es! Spontan mit den Kumpels ins Schwimmbad gehen? Träum weiter! Mit der Freundin ins Kino? Von wegen! Jeder erlebt in irgendeiner Weise gerade persönliche Einschränkungen. Und darüber hinaus kämpfen viele mit finanziellen Einbußen.

Wie ergeht es denjenigen, die beruflich direkt vom Lockdown (= zeitweise Betriebsschließungen aufgrund der Ausgangssperre) betroffen sind? Und wie steht es um den Bundeshaushalt, der momentan Millionen Deutschen unter die Arme greifen muss? Kurz: Wie meistert Deutschland die Krise?

Das vollständige und genaue Ausmaß der Corona-Krise kann kein Experte sicher vorhersagen. Es gibt noch zu viele Variablen, deren Veränderung stark davon abhängt, wie lange die besagten Beschränkungen tatsächlich noch andauern werden. Dennoch sind bereits etliche zuverlässige Schätzungen und Daten vorhanden, auf die ich mich im Folgenden berufen werde.

Ich komme dabei auf zwei Hauptpunkte zu sprechen: zum einen auf die Kosten und Hilfsprogramme und zum anderen auf die Folgen der Krise.

Punkt 1: Kosten und Hilfsprogramme

Milliarden-Hilfsprogramme, Wirtschaftsstabilisierungsfonds und steuerliche Entlastung – das sind nur drei Beispiele für Maßnahmen, die die Bundesregierung gerade ergreift, um die Gesundheit der Bürger zu schützen, Arbeitsplätze und Unternehmen zu retten und unseren sozialen Zusammenhalt zu bewahren. Und das zieht freilich Kosten utopischen Ausmaßes nach sich. Das Bundesfinanzministerium selbst bezeichnet auf seiner Website das aktuelle Hilfspaket als das „größ­te Hilfs­pa­ket in der Geschichte Deutsch­lands“. So beträgt der Umfang der haushaltswirksamen Maßnahmen insgesamt 353,3 Milliarden Euro und der Umfang der Garantien insgesamt 819,7 Milliarden Euro. Im Hinblick auf diese Summen sagt auch die „Schwarze Null“ (= ausgeglichener öffentlicher Haushalt ohne Neuverschuldung) dieses Jahr Adieu, weil der Bund neue Kredite in Höhe von rund 156 Milliarden Euro aufnehmen wird. 78% der neuen Schulden fließen in die Hilfsprogramme, der Rest deckt die fehlenden Steuereinnahmen. Die Tilgung dieser Schulden soll 2023 beginnen und über 20 Jahre dauern. Daher wird vor allem unsere junge Generation die Nachwirkungen des Corona-Virus noch lange spüren.

Einen Großteil der Ausgaben nimmt natürlich die Gesundheitsversorgung ein. Die Bundesregierung stellt etwa 3 Milliarden Euro bereit, um die Krankenhäuser zum Beispiel mit Schutzkleidung besser auszustatten sowie die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben, die 3,5 Milliarden Euro Unterstützung erfährt. Weitere 55 Milliarden Euro stehen für die Pandemiebekämpfung zur Verfügung. Dieses Geld ist für eine sehr flexible Verwendung gedacht, um auf neue Entwicklungen schnell reagieren zu können. Zudem wird ein Schutzschirm für Krankenhäuser gebildet, der Einnahmenausfälle durch beispielsweise verschobene Operationen auffangen soll.

Was die Familien angeht, steht die Einkommenssicherung an erster Stelle, da es zu Verdiensteinbußen durch Kurzarbeit oder die Betreuung der Kinder, die normalerweise in der Kita versorgt werden, kommen kann. Als zusätzliche Unterstützung für Familien sollen nach Plänen der Bundesregierung für jedes kindergeldberechtigte Kind 300 Euro überwiesen werden. Davon profitieren nach der Steuererklärung vor allem Eltern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

Die wohl rascheste und unbürokratischste Unterstützung mit insgesamt 50 Milliarden Euro erhalten kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Dabei kompensiert eine Soforthilfe des Bundes mit Programmen der Länder Betriebskosten ohne Rückzahlung mit 9.000-15.000 Euro pro Betrieb je nach Beschäftigtenzahl.

Größeren Unternehmen wird mit Wirtschaftsstabilisierungsfonds unter die Arme gegriffen. Deren Budget setzt sich aus 100 Milliarden Euro für Kapitalmaßnahmen, 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für die Refinanzierung von KfW-Programmen (= Kreditanstalt für Wiederaufbau) zusammen.

Auch Kosten, an die man nicht sofort denkt, spielen eine Rolle. Hier sind zum Beispiel die Rückholaktionen von Deutschen aus dem Ausland zu nennen, die mit weit mehr als 50 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dazu kündigte Außenminister Maas bereits an, dass es diesen Sommer keine erneuten Rückholaktionen geben wird. Wer also seinen Urlaub im Ausland verbringen möchte und sich dort mit dem Corona-Virus ansteckt, bekommt in akuten Notfällen lediglich konsularische Unterstützung.

Trotz Unstimmigkeiten zwischen einzelnen Ländern in der Europäischen Union gibt es einen Wiederaufbauplan im Wert von 750 Milliarden Euro. Dieser soll eine Art Sicherheitsnetz bilden, damit die EU die Wirtschaftskrise übersteht. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sowie bereits vor der Corona-Krise verschuldete Staaten wie Italien oder Spanien sollen davon profitieren. Dafür gibt es verschiedene Kreditprogramme.

Punkt 2: Folgen der Krise

Nach der Corona-Krise wird Deutschland hoch verschuldet sein. Liest man sich Punkt 1 durch, überrascht das nicht. Aber wie sah es mit unserem Haushalt denn vorher aus und wie schnell wird er sich erholen?

Die Staatsfinanzen waren Ende 2019 sehr solide und man konnte wieder einmal Rekordsteuereinnahmen von 82 Milliarden Euro erzielen, was stolz über die Medien mitgeteilt wurde. Auch die Schuldenstandsquote ließ sich mit 60% des BIPs sehen. Der Bundeshaushalt hat also über Jahre hinweg Gewinn erwirtschaftet und konnte damit Rücklagen vor allem in den Sozialversicherungen bilden, was besonders wichtig für die Arbeitslosen- und Krankenversicherung ist. Die Bundesagentur für Arbeit saß bisher auf einem Kapital von 20 Milliarden Euro. Dieses Geld kann jetzt vor allem für Kurzarbeiter und jene verwendet werden, die ihren Arbeitsplatz durch die Krise verloren haben.

Wir haben also ein gutes Polster und können die Krise recht ordentlich abfedern. Allerdings steht eine Frage im Raum, die fast alle Prognosen maßgeblich beeinflusst: Wie lange wird die Corona-Krise noch dauern?

Die deutsche Konjunktur stieg ein Jahrzehnt lang stetig, bis die Krisenmonate März und April des Jahres 2020 kamen. Grund dafür war die lockdownbedingte Schließung von Geschäften und das Herunterfahren oder Einstellen der industriellen Produktion. Laut dem statistischen Bundesamt stellten Industrie, Bau und Energieversorger im April zusammen 17,9% weniger her als im vorherigen Monat. Zu deren Gunsten wird nun die Produktion ja wieder hochgefahren.

Noch mehr Zahlen gefällig? Das BIP brach im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum vierten Quartal 2019 um 2, 2% ein – die erste Rezession seit der Finanzkrise, in deren ersten Quartal des Jahres 2009 das BIP sogar um 4, 7% eingebrochen war. Aber auch in diesem Krisenaspekt trifft es Deutschland im europäischen Vergleich mit ca. 5% wie in Frankreich, Spanien oder Italien wieder ziemlich glimpflich.

Wie lautet also nun das Fazit? Es ist schwierig, sich darüber ein Urteil zu erlauben, aber eins ist sicher: Die aktuelle Situation, die die Corona-Krise mit sich bringt, ist beispiellos und gab es so noch nie. Es bleibt abzuwarten, wie gut die Hilfsprogramme wirken und wie schnell sich unsere Wirtschaft von diesem konjunkturellen Tiefpunkt erholen kann.

In meinen Augen ist aber das Wichtigste, dass wir zusammenhalten und stets im Hinterkopf bewahren: Jeder ist betroffen und man ist nicht der Einzige, der momentan mit diesen Einschränkungen leben muss. Die Situation ist gerade so, wie sie ist, und unsere Energie sollten wir nicht mit Selbstmitleid verschwenden, sondern um uns wieder nach vorne und heraus aus dieser Krise zu bringen. Handelt daher bitte solidarisch, respektvoll und vernünftig!

Quellen:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Schlaglichter/Corona/corona.html

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rezession-corona-bedeutung-deutsch-1.4909062

https://www.n-tv.de/politik/Schweden-kritisiert-Corona-Hilfspaket-der-EU-article21808790.html

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/industrieproduktion-autohersteller-1.4930565

https://www.n-tv.de/ratgeber/Bei-welchen-Eltern-der-Kinderbonus-ankommt-article21831470.html

https://www.n-tv.de/politik/Infizierte-Urlauber-werden-nicht-heimgeholt-article21829839.html

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-hilfspaket-der-eu-kommission-geld-bekommen-nur-die-reformer-a-f5161717-f57d-4cc5-8b62-69b0a21d3095