Langeweile in den Ferien? Das Bildnis des Dorian Gray

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Von Lorenz Goger, Q11

Nachdem ich in der Zeit der Isolation durch Corona bereits einen Online-Artikel für unsere Casiopeia geschrieben habe („Der Casiopeia-Gamecheck“), habe ich nun doch das bedrückende Gefühl, mein Karma-Konto wäre im Ungleichgewicht. Nicht, dass ich jetzt 100 Liegestütze kann, aber dennoch habe ich mich zum Zeitvertreib (aber auch als Vorbereitung meiner Seminararbeit) vom Computer abgewandt hin zu einem nahezu antik anmutenden Medium: Dem Buch. In ganz analoger gedruckter Form. Meine Wahl fiel hierbei auf „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Dieses Buch möchte ich euch hier vorstellen.

„Das Bildnis des Dorian Gray“ erschien in englischer Sprache im fernen Jahre 1891 und ist damit ein echter Klassiker der Weltliteratur und – gleich vorab gesagt – eher etwas für unsere Oberstufe oder Zehntklässler als für unsere jüngeren Mitschüler. Das liegt vor allem an der etwas veralteten Sprache und der Komplexität der behandelten Themen, aber dazu später mehr. Zuerst werfen wir einen Blick darauf, um was es in dem Buch eigentlich geht:

Dorian Gray ist jung und schön. Als ein Porträt von ihm angefertigt wird, verflucht er es, da seine Schönheit vergehen wird und die des Porträts ewig besteht. Er äußert den wahnsinnigen Wunsch, das Porträt solle an seiner Stelle altern. Da verliebt er sich in die junge Schauspielerin Sibyl Vane, doch seine Gier nach Schönheit und Jugend werden ihm im Laufe der Zeit immer mehr zum Verhängnis.

Mehr will ich wirklich nicht zur Handlung sagen, da viele unvorhersehbare Dinge geschehen und nur dann die Spannung erhalten bleibt, wenn man dieses Buch völlig ohne Vorwissen von Handlungselementen liest. Allerdings kann ich nur raten, die Lektüre des Buches auf keinen Fall abzubrechen, da (auch wenn der Mittelteil des Buches durchaus zäh werden kann) besonders das letzte Fünftel Spannung und einige Überraschungen bietet. Doch die Handlung ist nicht das Einzige, was Oscar Wilde in diesem Buch erzählen will: Wer „Das Bildnis des Dorian Gray“ liest, der liest nicht nur eine Geschichte, sondern beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Eitelkeit, Vergänglichkeit und Luxussucht sowie elementaren Fragen über die Existenz des Menschen, das Verhältnis von Mann und Frau und letztlich die Bedeutung der Schönheit in einer oberflächlichen Gesellschaft. Diese komplexen Themen sind eine Lektüre wert, jedoch muss man sich auf diese philosophischen Beobachtungen einlassen. Deshalb kann ich das Buch nicht uneingeschränkt jedem Mitschüler empfehlen. Zwar bin ich selbst kein allzu großer Bücherwurm, doch wer schnell das Interesse an einem Buch verliert, sollte die Finger von „Das Bildnis des Dorian Gray“ lassen, weil er oder sie wohl die unglimpfliche Hassliebe einer Schullektüre zu dem Buch empfinden wird. Wer allerdings Lust darauf hat, sich an ein Buch mit all seinen philosophischen Monologen und seiner veralteten Sprache heranzuwagen, dem kann ich „Das Bildnis des Dorian Gray“ wärmstens empfehlen, da es diese genannten Themen in einer spannenden, interessanten und mitreißenden Handlung verpackt. Nun zu meinem Fazit: Wer Bücher als reine Unterhaltungsquelle nutzt, dem wird „Das Bildnis des Dorian Gray“ höchstwahrscheinlich schnell langweilig werden. Wer jedoch gerne Bücher mit philosophischen Fragen und tiefgründigen Themen liest, dem wird das Buch überraschend spannend und kurzweilig vorkommen. Und an alle, die sich irgendwo zwischen diesen Gruppen einordnen würden (wozu ich mich auch dazuzähle): Lest es! Das grandios packende Ende wird euch für so manche Durststrecke im Mittelteil belohnen!

Ganz am Schluss auch noch ein paar Infos zum Buch, wenn ihr es nicht erwarten könnt und sofort loslesen wollt:

  • ISBN: 9783423142076
  • Preis: 10,90€ (gebundene Ausgabe von dtv)
  • 352 Seiten