Im Gespräch mit Herrn Carl zu drei Wochen Unterricht daheim

Drei Wochen lang wurde der Unterricht vor den Osterferien aufgrund der Corona-Pandemie digital geführt (wir berichteten: https://casiopeia.de/blog/2020/03/31/unterricht-am-casi-in-corona-zeiten/). Der Einsatz digitaler Technik war dafür unerlässlich. Doch wie sah Herr Carl als Teamleiter Digitale Schule 2020 diese drei Wochen?

Casiopeia: Hallo Herr Carl, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen mit uns über diese Zeit des komplett digitalen Unterrichts zu sprechen. Deshalb zuerst einmal: wie haben Sie diese drei Wochen digitalen Unterricht wahrgenommen?

Carl: Es war eine Herausforderung, von 0 auf 100 auf Homeschooling umzuschalten, aber Gott sei Dank hatten wir – die Technik betreffend – gute Voraussetzungen. mebis hat ja in der ersten Woche nicht funktioniert, deswegen bin ich gleich auf OneNote umgestiegen. Ein Problem für mich war mein persönliches Zeitmanagement. Ich habe oft die Zeit vergessen, was dazu geführt hat, dass die Tage recht lang waren, was mich dann auch sehr gestresst hat.

Wie wurde die Situation aus Ihrer Sicht von den anderen Lehrkräften angenommen? War gleich klar: ok, das machen wir jetzt digital oder gab es erstmal Zögern, wie das alles funktionieren soll?

Nein, da gab es kein Zögern. Wir haben an dem ersten coronafreien Montag dann auch gleich eine Lehrerfortbildung gemacht. mebis ging erst nicht, aber mit OneNote hat es dann zum Glück gut geklappt. Da habe ich dann eine große Bereitschaft und Neugier bei den Kolleginnen und Kollegen festgestellt, das jetzt auszuprobieren. Insgesamt hat eine sehr positive Stimmung geherrscht.

Und bei den Schülern? Bevor die Entscheidung wirklich gefallen war, hatten sich ja viele schon auf sogenannte „Corona-Ferien gefreut“.

Da habe ich auch eine interessante Erfahrung gemacht: ich habe wahrgenommen, dass vor allem in meiner 5. Klasse eine große Bereitschaft da war, konstruktiv mitzuarbeiten. Auch mit den Elternhäusern hatte ich sehr interessante Kontakte, die zu einer guten Zusammenarbeit geführt haben. Es war einfach klar, dass wir in dieser ungewöhnlichen Situation zusammenhalten müssen. Aber nicht nur in meiner 5. Klasse war dieser Bereitschaft da, sondern auch in meiner 9. Insgesamt darf ich also eine sehr positive Bilanz ziehen.

Sehen Sie Gefahren dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler jetzt mehr Zeit am Rechner verbringen und lange für die Aufträge brauchen?

Eine Gefahr konnte ich eigentlich nicht wahrnehmen. Ich habe versucht, die Aufträge in überschaubarem Umfang zu halten und es nach dem Stundenplan rhythmisiert. Mit der Wochenarbeit konnte ich mich nicht anfreunden, weil ich befürchtete, dass es dann aufgeschoben wird – wie wir es ja häufig auch machen. Kleinschrittiges Feedback war in diesem Zusammenhang ganz wichtig. Dadurch hatten die Schüler den Eindruck, dass man mit ihnen zusammenarbeitet. Ich habe aber auch gemerkt, dass manche bei der Online-Arbeit besser mitgearbeitet haben, als im Präsenzunterricht, wo sie oft nicht so aufmerksam sind.

Und wie schaut es mit der Ablenkung aus? Es gibt jetzt schließlich keine „Kontrolle“ mehr in Form der Lehrkraft, ob die Handys die ganze Zeit an sind und sich die Schülerinnen und Schüler die ganze Zeit schreiben?

Da kann ich leider nichts dazu sagen. Mein Eindruck war, dass sie es sehr ernst genommen haben. Bis auf ganz wenige Ausnahmen habe ich die Arbeitsaufträge auch alle bekommen.

Am Anfang des Unterrichts daheim ist mebis ja unter der Last der vielen Anfragen und einem Hackerangriff zusammengebrochen. War das möglicherweise sogar eine Chance, um neue Möglichkeiten zu erproben, die vielleicht für manche Anwendungszwecke sogar besser sind als mebis?

Ja, mebis hat das Problem, dass Kommunikation und Zusammenarbeit nicht so gut funktionieren. mebis basiert auf der Moodle-Plattform, die mittlerweile 20 Jahre alt ist und sich im Kern nicht verändert hat. Bei Teams oder OneNote ist man ganz schnell in der Kommunikation mit den Schülern drin und kann gut zusammenarbeiten. Ich denke, da müssten wir wirklich neben mebis auch auf andere Sachen umschwenken, wenn wir schnell und gut zusammenarbeiten wollen. mebis hat aber Vorteile wie Tests, die sofort bewertet werden. Ich denke, diese sofortige Bewertung ist für viele Schüler ganz wichtig. Ganz abschaffen können wir es also (noch) nicht.

Im Elternbrief vom 03.04.2020 ist ja auch angeklungen, dass Sie zusammen mit der Firma Haba Infrastruktur mit Microsoft Teams aufbauen. Wird das möglicherweise das „neue mebis“?

Mal schauen, da müssen wir uns überraschen lassen. Es ist nach wie vor ein Datenschutz-Problem, weil die Regierung das nicht so gerne sieht. Aber die Server stehen in absehbarer Zeit in Deutschland, vielleicht ist das dann besser. Ich würde es mir wünschen, wenn der Workflow durch diese Software besser, schneller und reibungsloser wird.

Denken Sie, dass sich durch die gesammelten Erfahrungen mehr Lehrkräfte trauen, digitale Medien auch in ihren regulären Unterricht einzubauen?

Ja, ich denke schon. Ich weiß nicht, ob es auf den Präsenzunterricht direkt Auswirkungen hat. Aber ich denke, dass sie sehen, dass es Vorteile mit sich bringt, um auch außerhalb des Unterrichts zusammenarbeiten zu können und ihn so zu ergänzen.

Also hat diese ungewöhnliche Situation den Vorteil, dass die Digitalisierung an den Schulen vorangetrieben wurde? Eben auch indem neue Werkzeuge entdeckt wurden?

Ja. Und das war nicht nur in der Schule so. Ich habe an ein paar Webseminaren von Zukunft.Coburg.Digital teilgenommen. Da habe ich gesehen, dass wir in der Schule große Schnittmengen mit Unternehmen haben, von denen manche in der Digitalisierung auch noch nicht weit fortgeschritten sind. Ich denke, dass wir da vielleicht auch zusammenarbeiten können, die haben ja oft eine ganz andere Perspektive, von der wir etwas lernen können.

Vielen Dank für das interessante Gespräch! Hoffen wir mal, dass nach Ostern der normale „Face-to-Face-Schulbetrieb“ wieder aufgenommen werden kann. Möglicherweise dann auch mit verstärktem Einsatz digitaler Techniken.