Interview mit Botschafter Sir Sebastian Wood

Anlässlich unserer Sonderausgabe zum Thema “200 Jahre Victoria & Albert” in Kooperation mit dem Stadtmarketing Coburg, konnten wir auch ein Interview mit dem britischen Botschafter in Deutschland, Sir Sebastian Wood, führen. Das vollständige Interview veröffentlichen wir hier sowohl in der englischen Originalversion als auch in einer deutschen Übersetzung.

Englische Originalversion

Casiopeia: How did you experience Coburg?
Sir Wood: I had a wonderful visit – the highlights were a visit to Schloss Ehrenburg, an excellent concert in the Morizkirche, and walking at night through the beautifully-lit town square.

Which three adjectives spring to mind when you think of Albert and Victoria?
Ahead of their time, influential, and devoted to each other.

Can you imagine what Victoria or Albert would have said about Brexit or the EU, for that matter?
It is always difficult to say how historical figures would have interpreted modern events – especially British monarchs, who are of course above politics. For centuries, their constitutional role has required them to remain strictly neutral and not comment on political matters. What is clear, though, is that Queen Victoria and Prince Albert forged and deepened a close relationship with our European partners, in particular Germany. Our Prime Minister and Government are clear that this close relationship will continue, despite us leaving the institutions of the EU.

Do you have any knowledge about whether Prinz Albert “exported” the local cuisine of “Coburger Klöße” and “Coburger Bratwurst” to England or how he reacted to the English cuisine?
Apparently Queen Victoria liked Coburg sausages so much that she mentioned them in her diaries! We also know that the first official dinner which she hosted at Buckingham Palace in 1837 included German sausages. That could not have gone unnoticed in the British public, so there is a chance that Prince Albert helped create the popularity which (to be honest) any German sausage now enjoys among Brits. Albert must have had a great interest in food generally, as quite a few dishes are named after him – the Prince Albert Fillet of Beef and his favourite: Saxe-Coburg soup.

Do young people in Britain still know about Prince Albert?
They do. Prince Albert’s influence on British culture, society, and everyday life is still visible today, not least in many famous locations named in his honour: from the legendary concert venue, the Royal Albert Hall, to the many Prince Albert pubs across the UK which bear his name. Children in the UK continue to enjoy his greatest legacy, the Christmas tree, which Prince Albert introduced to the UK from Germany.

In your speech, you mentioned several things and ideas Prince Albert brought to England. What is, in your opinion, the most important one?
It is difficult to pick out a single issue because there are so many. But I think Prince Albert’s commitment to social welfare stands out: he effectively campaigned against slavery and child labour. I would also highlight his work to advance science, arts and culture, which brought us the unique concentration of excellent museums and institutions in Kensington.

Which possibilities do you see to keep up or even strengthen the connections Albert and Victoria established between the UK and Germany, especially among young people?
The UK and Germany share a common history of 1000 years; we have similar languages and cultures, the same mind-set and values. Today our countries are closer than ever before – in society, culture, science and the economy. We have to preserve and further deepen those links through close cooperation. And we have to continue to bring young people from the UK and Germany together. Regular contact and exchange is key. That is why we continue to support the “UK-German connection”, a German-British government initiative for school and youth links.

Deutsche Übersetzung

Casiopeia: Wie haben Sie Coburg als Stadt erlebt?
Sir Wood: Ich hatte eine wundervolle Zeit – Höhepunkte waren der Besuch der Ehrenburg, das exzellente Konzert in der Morizkirche und ein nächtlicher Spaziergang über den wunderbar erleuchteten Marktplatz.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie Albert und Victoria beschreiben?
Ihrer Zeit voraus, einflussreich und gegenseitig eng verbunden.

Können Sie sich vorstellen, was Victoria und Albert zum Brexit oder eben der EU gesagt hätten?
Es ist immer schwer zu sagen, wie historische Personen moderne Ereignisse interpretiert hätten – vor allem britische Monarchen, die natürlich über der Politik stehen. Seit Jahrhunderten verlangt ihre verfassungsrechtliche Rolle von ihnen, sich streng neutral zu halten und politische Dinge nicht zu kommentieren. Allerdings ist klar, dass Königin Viktoria und Prinz Albert enge Beziehungen zu unseren europäischen Partnern, insbesondere Deutschland, geschmiedet und vertieft haben. Unser Premierminister und unsere Regierung sind sich darüber im Klaren, dass diese enge Beziehung fortbestehen wird, auch wenn wir die Institutionen der EU verlassen.

Wissen Sie irgendetwas darüber, ob Prinz Albert Gerichte der lokalen Küche wie „Coburger Klöße“ und „Coburger Bratwurst“ exportiert hat oder wie er auf die englische Küche reagierte.
Anscheinend mochte Königin Viktoria die Coburger Würste so sehr, dass sie diese in ihrem Tagebuch erwähnte! Wir wissen auch, dass das erste offizielle Abendessen, das sie in Buckingham Palace 1837 ausrichtete, deutsche Würste beinhaltete. Das wird kaum unbemerkt in der britischen Öffentlichkeit geblieben sein. Somit ist es durchaus möglich, dass Prinz Albert mit dafür verantwortlich war, die Popularität, die deutsche Würste im Allgemeinen in Großbritannien genießen, zu generieren. Albert muss überhaupt ein großes Interesse an Essen gehabt haben, da einige Gerichte nach ihm benannt sind: das Prince-Albert-Rinderfilet und sein Lieblingsgericht, die Sachsen-Coburg-Suppe.

Kennen Jugendliche in Großbritannien auch heute noch Prinz Albert?
Ja, das tun sie. Prinz Alberts Einfluss auf die britische Kultur, Gesellschaft und den Alltag sind immer noch sichtbar, nicht zuletzt wegen der vielen berühmten Orte, die nach ihm benannt sind: von der legendären Konzerthalle „The Royal Albert Hall“ bis hin zu den vielen „Prince Albert“-Pubs, die landauf, landab seinen Namen tragen. Die Kinder im Vereinigten Königreich genießen weiterhin sein bedeutendstes Erbe, den Weihnachtsbaum, den er aus Deutschland mit nach England brachte.

In Ihrer Rede erwähnten Sie einige Dinge, die Prinz Albert den Briten gebracht hat. Welche dieser Neuheiten ist Ihrer Meinung nach für Großbritannien am wichtigsten gewesen?
Es ist schwierig, nur einen Aspekt zu wählen, da es so viele sind. Aber ich glaube, Prinz Alberts Engagement hinsichtlich der sozialen Wohlfahrt sticht heraus: Er setzte sich erfolgreich für die Abschaffung der Sklaverei und Kinderarbeit ein. Ich würde auch seine Arbeit zur Förderung der Naturwissenschaften, Kunst und Kultur unterstreichen, die uns eine einzigartige Konzentration von herausragenden Museen und Instituten in Kensington beschert hat.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, die von Albert und Victoria geknüpften Verbindungen zu pflegen bzw. sogar zu festigen, insbesondere bei den jungen Leuten?
Das Vereinigte Königreich und Deutschland teilen eine 1000-jährige gemeinsame Geschichte. Wir haben eine ähnliche Sprache und Kultur, dieselbe Mentalität und dieselben Werte. Heute sind sich unsere Länder näher als jemals zuvor – auf den Gebieten der Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Wir müssen diese Anknüpfungspunkte durch enge Kooperation bewahren und intensivieren; und wir müssen weiterhin junge Menschen aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland zusammenbringen. Regelmäßiger Kontakt und Austausch sind dabei entscheidend. Das ist der Grund, weshalb wir die „UK-German connection“ unterstützen, eine deutsch-britische Regierungsinitiative für Schulen und Jugendarbeit.

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